Wenn man wie ich seit über 20 Jahren nahtlos bei einem Arbeitgeber angestellt war, verändert der Schritt in die Selbstständigkeit doch einiges. Was aber konkret ist denn so anders, beim ersten grossen Kundenauftrag im Vergleich zur letzten Festanstellung?

Aller Anfang ist leicht

Am ersten Arbeitstag fällt mir auf der Anreise natürlich die Location auf: Ich arbeite nun mitten in der wunderschönen Berner Altstadt – fantastische Aussicht aus meinem Büro auf die “Bsetzistei”-Gasse und den prachtvollen Gerechtigkeitsbrunnen aus dem 16. Jahrhundert. 

Anstelle eines “Badges” (Personalkarte mit Chip) kriege ich einen Schlüssel für die Türe, einen Chip zum Ausdrucken, eine Karte zum Einloggen und einen Plastik-Key für den Kaffeeautomaten. Ich kann mich auch nicht mehr erinnern, wann ich zum letzten Mal an einem fix installierten Desktop – anstelle eines Laptops – gearbeitet habe. Dieser steht an meinem “eigenen” Arbeitsplatz in einem Dreierbüro – Grossraumbüro und Shared Desk adé!

Am Mittag stehe ich nicht mehr mit dem Team in der Schlange des Personalrestaurants, sondern ich besorge mir eine Recircle Box, um dann beim Thai ein Curry oder in der Krone die leckere Pasta zu holen. Die Mittagspause verbringe ich auf einem Bänkli in der Postgasse und geniesse die Sonnenstrahlen. Bis jetzt hat dies aber noch nicht allzu viel damit zu tun, ob ich Mitarbeiterin oder als Externe unterwegs bin.

Was ist denn nun anders?

Meine Arbeitszeit erfasse ich in einem Google Sheet, welches Ende Monat mit der Rechnung mitgeliefert wird. Die Kaffeepausen fallen etwas kürzer aus als sonst – schliesslich werde ich hier zum Arbeiten bezahlt! Der Druck, am Ende des Tages etwas Sinnvolles und Sichtbares erreicht zu haben, ist stärker als voher. Obwohl ich beim letzten Arbeitgeber auch sämtliche Freiheiten in Sachen flexibler Arbeitszeiten und Jahresarbeitszeit hatte, fällt es mir nun deutlich einfacher, einen Tag frei zu machen, wenn die Arbeitszeit erreicht ist. Vermutlich weil ich mich ganz genau an das vertraglich ausgemachte Kostendach halten werde und auch keinem Teamkollegen Rechenschaft schuldig bin.

Vieles bleibt gleich

Lustigerweise fühle ich mich in meinem ersten grossen Mandat sehr oft auch in meine Zeit bei der Kantonspolizei zurück versetzt. Nicht nur, weil der Kunde auch in der POM (Polizeit- und Militärdirektion) ist, sondern auch weil die Alltagsprobleme und Kaffee-Diskussionen ähnlich bis gleich sind: Was passiert, wenn sie uns die Adminrechte wegnehmen? Können wir noch selber Installationen vornehmen für die Tools, welche wir benötigen? Haben alle ihre FIS-Time Zeiterfassung gemacht? Wer schreibt den nächsten Beschaffungsantrag?…

Gleich wie bei anderen modernen Arbeitgebern ist es auch mir als “Externer” erlaubt Homeoffice zu machen. Wenn ich etwas ausdrucken muss, kann ich dies an allen Druckern im ganzen Kanton tun – Pullprint sei dank. Und Fun-Fact: Das Abrufen von Emails und Kalender auf meinem Mobile benötigt kein spezielles Gerät oder Maschinenzertifikat – es gibt eine Funktion, mit welcher ich meine ungelesenen Nachrichten per Voice-Call abfragen kann. Recht innovativ, würde ich sagen!