Johann Gyger hat vor einiger Zeit mit dem Hashtag #StartupChallenge auf seine Firmengründung von Levingo aufmerksam gemacht. Ich fühlte mich direkt angesprochen und motiviert, auch die Geschichte von unserem Startup TactumMotum zu erzählen. Nur die Zeit fehlte in letzter Zeit etwas dazu. Ein Symbolbild? Trotz Sommerzeit nehme ich sie mir nun und freue ich mich schon jetzt auf eure Stories mit dem Hashtag #StartupChallenge

Fabienne Bürkli (Bachelor in Sozialer Arbeit) und ich, Monika Blaser (Master of Science in Wirtschaftsinformatik) kennen uns von unserer gemeinsamen Arbeit im Innovationslabor bei PostFinance. Ende Dezember 2018 treffen wir uns zum Feierabendbier und entscheiden uns, gemeinsam eine Firma zu gründen. Einerseits weil wir uns im PFLab „Startup Coaching“ auf die Fahne geschrieben haben und wir beide unsere gesamtes Arbeitsleben mit Festanstellungen verbracht haben (Stichwort: Nicht Wasser predigen und Wein trinken). Andererseits wurden konkrete Auftrags-Anfragen an uns getragen, welche zum damaligen Zeitpunkt nicht als Profit Center realisiert werden durften. Also, auf zu neuen Ufern!

1. Geschäftsidee

Innovation ist lernbar! Davon sind wir gleichermassen überzeugt wie dem Standpunkt, dass es in Zeiten der Digitalen Transformation enorm wichtig ist, auch auf den Faktor Mensch und nicht alleine auf die technische (digitale) Lösung zu setzen. Von Innovationsmanagement inkl. Aufbau von Inno-Labs, über Workshop-Moderationen und Methodentrainings bis hin zu Inspiration und IT Projekten ist mit unserer Skills-Combo alles möglich.

2. Rechtsform

Wir wissen schnell, dass eine GmbH die richtige Rechtsform für unser „Baby“ ist. Das Gründungskapital von den gesetzlich vorgeschriebenen 20‘000 teilen wir nicht klassisch 50-50 auf, sondern aus persönlichen Gründen hält Fabienne 30% und ich 70% der Stammanteile. Das ging einfach.

3. Name

Gib dem Kind einen Namen! Wider Erwarten eine unseren grössten Hürden. Wir tun uns schwer, das Richtige aussagen zu können. Auch wollen wir nicht in Probleme mit bestehenden Firmen oder Institutionen laufen. Die zündende Idee haben wir bei einem Fürabebier in Zürich: TactumMotum ist geboren. Zwar etwas schwer zu merken – aber die Story dahinter gefällt uns super und kommt gut an: Zwei lateinische Wörter. „Tactum“ beschreibt das Emotionale, Einfühlsame. „Motum“ steht für das Umsetzen, Vorantreiben. Dass diese beiden Begriffe Fabienne und mich sehr gut beschreiben ist kein Zufall! Geht doch!

4. Website und E-Mail

Domains tactummotum.ch und tactummotum.com sowie Email-Adressen sind im Nu gesichert und eingerichtet. Der grössere Part ist das Generieren von Content. Was schreibt man auf die Webseite, wenn man noch gar keine Aufträge oder Referenzen hat? Wir wollen nicht mit leeren Worthülsen um uns werfen. Deshalb lösen wir dieses Problem in einem ersten Schritt mit einer einfachen Onepager Seite. Mit dem auf themeforest.net gekauften Template sieht das Ganze im zweiten Schritt und „echtem Content“ inkl. Angebotsflyern nun auch hübsch aus. Läuft!

5. Logo

Auch hier können wir viel Zeit vertrödeln. Zu peppig, zu lahm, zu wuselig, zu bunt, zu wenig kreativ, nicht gut einsetzbar auf unseren Medien und viele weitere Diskussionspunkte. Mein Partner unterstützt uns grafisch und wir entscheiden uns für ein schlichteres, unauffälligeres Logo als zuerst geplant. Dafür hat es den Geek-Factor, weil es an Pacman erinnert. Nice!

6. Gründung

Der erste Entscheid liegt darin, ob wir mit ifj.chstartups.ch oder easygov.ch gründen wollen. Da beim Institut für Jungunternehmer das gesamte Päckli mit dabei ist sie und mit unserem ehemaligen Arbeitgeber PostFinance eine Kooperation haben, ist der Fall rasch klar.

Ein paar Mails, Ausdrucke und Unterschriften später steht bereits alles. Einzig für die Unterschriftenbeglaubigung müssen wir physisch vor Ort (zum Glück in Bern) antraben, alles andere kann bequem online und digital erledigt werden. Fun Fact: Unser öffentlicher Notar, welcher die Statuten am 19. Januar 2018 in St. Gallen unterzeichnet heisst „Gründler“. Der Name ist Programm!

Am 22.1.18 folgt der Handelsregister-Eintrag und die Publikation drei Tage später. Somit flattern auch bei uns unzählige Werbebriefe von Versicherungen, Werbemitteln, Büromöbel, Coupons und vieles mehr ins Haus. Alles landet ungenutzt im Altpapier.

Die Gründung beinhaltet unsere grössten Auslagen bis jetzt. Vor allem die Eintragung im HR finden wir (zu) saftig:

– Unterschriftenbeglaubigung, 2 Stk. À 50.- = 100.-

– Kommission PostFinance für Kontoeröffnung = 145.-

– Gründungskosten IFJ inkl. 200.- Rabatt und HR Anmeldung (mittlerweile gratis) = 324.- 

– Handelsregistereintrag = 780.-

Total rund 1350.-

Leider hat es mit der kostenlosen Geschäftskontoführung bei PostFinance nicht geklappt – trotz Package. Also melden wir uns und man schreibt uns im Anschluss den Betrag der Kontoführung wieder gut. 

7. IT

Viel benötigen wir nicht. Ein Google Account haben wir beide, also ist schnell klar, dass wir auf die G-Suite setzen. Tools wie Slack, Trello und auch Teile der MS Office Palette setzen wir sowieso bereits in unterschiedlichen Formen ein. Neues MacBook mit mehr Power – Check. Die ersten Gadgets für unser Produkt „Technologie erleben“ beschaffen wir via Amazon und Digitec. Kinderspiel!

8. Behörden – MWST, AHV, Versicherungen, Steuern

Vermutlich das übelste Thema!

Von der AHV-Zweigstelle meldet sich bei uns und wir müssen Unfallversicherungsnachweise erbringen. Nun geht das Sozialversicherungs-Thema los. Auf gryps.ch machen wir einen Vergleich und schnell haben wir die verschiedenen Angebote im Haus. Restlos alle Berater der Offert-Einreicher kontaktieren uns telefonisch, wollen uns treffen und auf ihre Vorteile hinweisen. Das ist super anstrengend! Nach kurzem Preis-Leistungsvergleich entscheiden wir uns, alle Versicherungen (BVG, KTG, UVG, Haftpflicht) aus einem Haus zu beziehen, um so den Admin-Aufwand klein zu halten. Eine kleine Verhandlungsrunde spart uns noch ein paar hundert Franken auf die rund 7‘000.- Versicherungssumme pro Jahr ein. Wahnsinn, wir haben doch nur das Nötigste gemacht!

Mehrwertsteuerpflichtig sind wir im ersten Jahr nicht. Im 2019 melden wir uns unaufgefordert über die Webseite an. Soweit so gut, nur muss man zuerst verstehen, was “Saldosteuersatz” und „nach vereinbarten Entgelten“ bedeuten. Nach kurzer Mailrücksprache mit unserem Treuhänder ist alles sofort gefixed und der Admin-Aufwand somit auch hier klein gehalten.

Natürlich meldet sich auch die Steuerverwaltung termingerecht. Aber auch das ist ein Leichtes, mit dem richtigen Profi für die Details (siehe nächster Punkt) an Board.

9. Buchhaltung

Meine kaufmännische Grundausbildung kommt uns – obwohl schon etwas verstaubt, da mehr als 20 Jahre her – bei diesem Punkt sehr zu Gute. Wir wollen auch hier die Fixkosten möglichst tief halten und entscheiden uns daher vorerst für die Gratisversion der Banana Software. Nach 70 Buchungen, welche wir bereits nach gut einem halben Jahr erreicht haben, kaufen wir eine Lizenz. Kostenpunkt: Einmalig 129.- Da ich das Programm vom Vereinsleben und Familienunternehmen kenne, geht alles leicht von der Hand. Dennoch fragen wir bei einem mir bekannten Treuhandbüro um etwas Starthilfe an. Lustigerweise wird uns mein ehemaliger Lehrmeister (damals Leiter der Finanzbuchhaltung der Kambly SA) zugeteilt und wir verstehen uns auf Anhieb super. Natürlich darf ich mir beim ersten Jahresabschluss keine Blösse geben; schliesslich meint Hausi, mein damaliger Chef bei der Terminvereinbarung mit einem verschmitzten Lächeln „So, du weisch ja no wis louft mitem Abschribe u Abgränze!“ und ich schiebe eine kleine Nachtschicht auf buchen.ch um professionell auf den Jahresabschluss vorbereitet zu sein. Wirklich ein Klasse Service vom Treuhandbüro Sutter – sehr schnelle Reaktionszeiten, unkompliziert, persönlich und professionell. Super!

10. Visitenkarten

„Brauchen wir nicht.“ Zwei Wochen später: „Wir brauchen unbedingt Visitenkarten!“ Ich schreibs mal ins Trello. Weitere zwei Monate später: „Visitenkarten braucht heute niemand mehr, sie sind uncool!“. Einen Tag später an einem Event „Hätte ich bloss Karten dabei!“ Fazit: Wir haben immer noch keine. Brauchen wir?

11. Büro

Eigentlich waren wir sicher, dass wir eine Mitgliedschaft in einem Coworking Space (Impact Hub oder Effinger) lösen werden. Da wir aber von Tag Null an direkt hochprozentig beim Kunden vor Ort tätig sind, erübrigt sich dieser Punkt sofort. Mit etwas Abstand ist die Situation wie folgt: Manchmal wäre es praktisch, Gedanken mit jemandem in einem persönlichen Gespräch zu spiegeln, mal ein Kafi oder Fübi zu trinken, mit einem Kunden einen Anlass oder ein Projekt vor Ort besprechen zu können. Die meiste Zeit sind wir aber stolz, dass wir keine unnötigen Auslagen haben, da unser Büro die meiste Zeit leer stehen würde. Fazit: Aktuell sind wir happy ohne. Vielleicht ergibt sich ja etwas in Zukunft zusammen mit deinem Startup? #Wärcool!

12. Startup gründen ist nicht schwer…

Aller Anfang ist leicht! Diesem Sprichwort geben wir Recht. Obwohl manchmal mühsam, manchmal zeitintensiv – die Lernkurve ist enorm steil und die vielen guten Quellen sind erstaunlich hilfreich. Dafür sind wir sehr dankbar und können uns auf das Wesentliche konzentrieren. Optimierungspotenzial gibt es immer und auch trotz dem KISS Prinzip recht viel Administrationsaufwand, der sich laufend einschleicht. Besonders jetzt bei diesem schönen Wetter häufen sich die Couverts und E-Mails – aber hey – die nächste Schlechtwetterperiode kommt bestimmt. 

Unser Tipp an alle Neugründer: Aktiviert die Kontakte in eurem (privaten) Netzwerk. Wir haben bei so einigen Kafis oder Apéros stundenlanges Vergleichen, Studieren und Webseiten absuchen in einen angenehmen Austausch mit effizienter Entscheidungsfindung wandeln können. Vielen Dank an dieser Stelle an alle, die uns unterstützt haben, besonders Brige Hulliger. Ohne sie hätten wir diesen abenteuerlichen Schritt nicht gewagt! 

Wie sieht deine Startup-Story aus? Publiziere auch deine Geschichte auf LinkedIn unter #StartupChallenge und verlinke sie hier in den Kommentaren.